12.5.04

"Wenn Kriege entarten..."

Deutliche Worte heute in der "Welt". Einst das Leitblatt der deutsch-amerikanischen Nibelungentreue, Flaggschiff eines Verlags, der das Vasallentum zu den Vereinigten Staaten in die Arbeitsverträge seiner Redakteure aufnahm, lässt die Springer-Zeitung Paul Kennedy die amerikanische Niderlage im Irak verkünden. Kennedy ist Professor für Geschichte an der Yale University, mithin also US-Bürger. Er sieht die USA nicht militärisch besiegt, sondern durch die Unwägbarkeiten, die Friktionen des Krieges wie sie schon Clausewitz beschrieb ("Krieg ist die Hölle"):
"Ein einziges Bild einer jungen, rohen Rekrutin, die einen nackten irakischen Mann an der Hundeleine führt, wird Wolfowitz' Traum zerschlagen, der Irak und der gesamte Mittlere Osten könne in so etwas wie Kansas verwandelt werden.
Diese ganze Hybris ist zerfetzt worden, und unter der Oberfläche wächst die Rede von Rückzug und völliger Aufgabe. Selbst Rumsfelds Rücktritt würde das Feuer kaum bändigen. Die arabische Welt wird jubeln, Amerikas Kritiker werden sagen "Wir haben's ja gewusst", Amerikas Freunde werden sich bedeckt halten, und der Schlamassel wird weitergehen. Während der 30. Juni immer näher rückt. Jeder, der behauptet, er kenne den Ausgang dieser Geschichte, ist - um mit George Bernard Shaw zu reden - ein Scharlatan. Uns steht ein turbulenter Ritt bevor. Wer einen Krieg beginnt, sollte niemals glauben, er könne dessen Entartung und Konsequenzen kontrollieren."