12.5.04

Verhandlungen statt Sturm auf Najaf?

Die irakische Zeitung Az-Zaman meldet, dass es möglicherweise zu einer Verhandlungslöung bei der Belagerung Nadjafs kommt. Der aufständische Muqtadr as-Sadr und die Besatzungsbehörden stehen miteinander im Briefverkehr. So wie es das Blatt meldet sieht ein mögliches Waffenstillstandsabkommen ein Ende des Aufstandes und ein Verzicht auf Straffreiheit vor. Nachdem die Verhandlungen zuerst über die vier Groß-Ayatolahs von Nadjaf (Ali as-Sistani, Muhammad Sa'id al-Hakim, Bashir an-Najafi und Muhammad Fayyad) liefen, verhandeln jetzt die Gegner direkt miteinander.

Für die US-Besatzer ist dies eine mehrfache Niederlage:
- Es ist ein Eingeständnis, dass die Aufständischen nicht militärisch zu besiegen sind;
- Die Miliz von Muqtadr as.Sadr bleibt bestehen und vermutlich im Besitz der meisten ihrer Waffen;
- Die Autorität der Besatzungsverwaltung ist nicht mehr absolut;
- Die Strafverfolgung des radikalen Klerikers - wir erinnern uns: das war einer der Auslöser für die Revolte - wird auf die Zeit nach der Unabhängigkeit des Irak verschoben; konkret: auf den St. Nimmerleinstag.´

Für die Aufständischen sind diese Verhandlungen mehr, als sie zu Beginn des Aufstandes erhoffen konnten:
- Sie stellen jetzt eine Macht dar, an denen keiner mehr vorbeikommt, auch nicht inner-schiitische Gegner;
- Sie gelten in irakischen und arabischen Augen als die Sieger im Ringen mit der Supermacht;
Jeder Beobachter weiß jetzt: Militanter Widerstand lohnt sich und zahlt sich aus.

Aber der größte Erfolg ist zweifelsohne, dass Najaf und anderen schiitischen Städten das Schicksal von Falludja erspart wurde: Keine kollektiven Strafmaßnahmen gegen Zivilisten, keine 450kg-Bomben auf Wohngebiete, keine Ermordung Verwundeter durch US-Truppen. Wie real diese Gefahr war, zeigte das Verhalten der oben genannten Ayatollahs: Sie selbst blieben zwar in der Stadt, brachten aber ihre Familien und Teile ihres Besitzes aus der Stadt.