13.5.04

Jordanen und die Pressefreiheit

Jordanien wird ja von vielen als pro-westliches Modellland gerühmt. Die so daher reden habe allerdings keine Ahnung, es sei denn sie benutzen "prowestlich" als Synonym für "undemokratisch". So wie z.B. George W. Bush, der den jordanischen König kürzlich als treuen Freund würdigte. Das war in der gleichen seltsamen Pressekonferenz, auf der sich George W. für das "Fehlverhalten" (gefoltert wird immer nur von anderen) seiner Untergeben gegenüber Irakern "entschuldigte" (Warum eigentlich beim jordanischen König? Dachte er: Ein Araber ist so gut wie der andere - oder hat er sich mal wieder im Land geirrt?). Während Abdallah II sich so im Rosengarten des Weißen Hauses feiern ließ, verhafteten sein Büttel Fahd al-Remawi, den Herausgeber der unabhängigen Wochenzeitung al-Majd. Womit hat Remawi gegen die rigiden und undemokratischen Pressegesetze verstoßen? Vorgeworfen wird ihm "die Gefährdung der Beziehungen zu einem Nachbarstaat". Dieser Passus des Presserechts soll eigentlich jede Kritik an Israel und an der Israel-freundlichen Politik des jordanischen Regimes mundtot machen. Doch diesmal war ein anderer Nachbar gemeint. Die saudische Prinzengarde hatte protestiert - weil Remawi Auszüge aus dem Buch des US-Journalisten Bob Woodward veröffentlichte, das die Vorbereitungen zum Irakkrieg schildert. Und hier wird die Mitwirkung Saudi-Arabiens am Krieg gegen den Irak (auch ein Nachbarstaat Jordaniens) sehr deutlich geschildert - deutlicher als man es in Riyadh möchte.
Ein jordanischer Journalist wird wegen Nachdruck eines amerikanischen Buches verhaftet - und der Despot wird gleichzeitig vom amerikanischen Präsident gelobt - schöner neuer Naher Osten.